Bergwacht München

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Münchner Höhlengeschichten

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Das Angerlloch bietet noch relativ viel Platz zum Durchsteigen	(Foto: Markus Eckert)Die Mitglieder des Vereins für Höhlenkunde München e.V. entdecken, erforschen und kartografieren in ihrer Freizeit zahlreiche Höhlen überwiegend im bayerischen Alpenraum. Einige von ihnen sind gleichzeitig in der Bergwacht München Höhlenrettung engagiert.

Der Einstieg ins Angerlloch ist nach etwa 20 Minuten in steilem Anstieg auf einem schmalen Pfad durch den Wald erreicht. Die knapp über 600 m lange Höhle südlich vom Walchensee im Estergebirge gelegen gilt unter Experten als relativ einfach zu erkunden. Entsprechend besteht die Ausrüstung lediglich aus einem alten Overall, warmer Unterwäsche, festem Schuhwerk, Brustgurt, 10 m Seil, Helm mit Lampe sowie einer Thermoskanne mit heißem Tee für hinterher.

Vor dem Einstieg wird die Funktionsfähigkeit der Ausrüstung geprüft	(Foto: Wolfgang Taschner)Schon nach einer kurzen Kletterpartie gleich hinter dem Höhleneingang und einigen nachfolgenden Biegungen reißt die Verbindung zur Außenwelt ab. Die Luft ist kühl und feucht, kein Lichtstrahl dringt herein und es ist eng zwischen den Felswänden. Für manch einen ist hier bereits Schluss, weil das Beklemmungsgefühl zu groß wird. Für die anderen hingegen beginnt jetzt erst das Abenteuer, mal auf allen Vieren durch enge waagrechte Spalte kriechend, mal im knöcheltiefen Wasser watend, und mal eng an lehmverschmierte Höhlenwände gedrückt. An einer Stelle wird einer nach dem anderen über einen Kamin scheinbar ins Nichts abgeseilt, da der Schein der Lampe nicht bis hinunter auf den sandigen Boden reicht.

An diesem Siphon kommt man nur mit einer Taucherausrüstung weiter	(Foto: Markus Eckert)

Eine Höhle wie das Angerlloch stellt für die Mitglieder des Vereins für Höhlenkunde in München noch keine Herausforderung dar. Für sie wird es erst richtig spannend, wenn sie sich durch Spalten zwängen müssen, die so eng sind, dass selbst die Ausrüstungsgegenstände samt Helm abgelegt werden müssen, um gerade noch so hindurchzupassen. Einige von ihnen haben selbst schon Höhlen in den Alpen entdeckt, die zuvor noch nie jemand betreten hat. Auf solch eine Entdeckung folgt die Erforschung, dann die Vermessung und schließlich das Zeichnen der Höhlenpläne. Besonders das Vermessen nimmt viel Zeit in Anspruch, da man mit dem Maßband bis in die letzten Winkel kriechen muss. Bei besonders langen Höhlen bleibt dann oft nur die Übernachtung in einem Biwak an einem einigermaßen wirtlichen Platz in der Höhlen. In dem im Eigenverlag herausgegeben Buch "Münchner Höhlengeschichte II" sind alle Erkundungen der letzten 25 Jahre sehr detailliert beschrieben.

 

Parallel zur Höhlenforschung sind einige Mitglieder des Vereins in der Höhlenrettung der Bergwacht München engagiert. Mehrmals jährlich wird in Übungen intensiv die Rettung von "Höhlenopfern" geübt; der Ernstfall tritt jedoch zum Glück nur äußerst selten ein. Zumal die Höhlenrettung ein sehr aufwändiges Unterfangen ist. Es kann Stunden oder gar Tage dauern, bis ein Verletzter durch die engen Spalten wieder ans Tageslicht gebracht ist.

Wer sich für die Welt unter Tage interessiert, schließt sich am besten zuvor einem Höhlenverein an. Dort bekommt er Tipps für die Anschaffung der Ausrüstung und fachkundliche Begleitung auf den ersten Touren. Wo es dann beim Einstieg heißt: Glück tief! Glück auf! oder auch Gut Schluf!

Wolfgang Taschner



Das Buch Münchner Höhlengeschichte II – 50 Jahre Verein für Höhlenkunde in München e.V., ISBN 3-00-013221-X, 444 Seiten, 396 Abbildungen, 81 Höhlenpläne, mit Beiträgen von 28 Autoren ist für 19,50 Euro zzgl. Versandkosten über www.vhm-muenchen.de zu beziehen.