Wir kommen gerade um die Ecke, da rennt uns Flo aufgeregt entgegen. "Eine Lawine ist gerade dort vorn abgegangen, es hat mehrere Leute erwischt." Nach einigen Sekunden ist der erste Schreck vorbei und wir schalten alle unsere LVS-Geräte um, eilen zum Ort des Geschehens und beginnen mit der Suche. Nach wenigen Minuten schon sind alle "Verschütteten" gefunden. Es war natürlich nur eine überraschende Übung, aber in Wirklichkeit hätten unsere "Verschütteten" noch recht gute Chancen gehabt.
Wir sind hier, um uns später auf Skitouren sicher zu bewegen. Dazu zählt nicht nur, wie man nach einer Lawine verhält. Viel wichtiger ist es, dass es gar nicht so weit kommt. Vier Tage zwischen Weihnachten und Silvester auf der Diensthütte Stümpfling oberhalb des Spitzingsees – neun Anwärter, die hier den ersten praktischen Teil Ihrer Winterausbildung erhalten. Alle haben bereits privat einige Erfahrung auf Skitouren gesammelt.
Der Tag beginnt am Frühstückstisch. "Welchen Weg würden wir wählen, um von der Bergwachthütte bis zur Rinnerspitz zu gelangen?", fragt Dani. Auf der Karte suchen wir die möglichen Wege und prüfen die Steilheit der Hänge. Eine halbe Stunde später geht es los. Nach dem obligatorischen LVS-Check zunächst über die untere und obere Firstalm, dann über die alte Skipiste in Richtung unterer Freudenreichalm. Unterwegs beobachten wir Schneedecke und Gelände und deuten anhand der verschiedenen Windzeichen, aus welcher Richtung der Wind gekommen sein muss und wo er den kritischen Triebschnee abgelagert haben könnte.
Weiter unten im Wald ist der Weg schon etwas schwieriger zu finden – nach zwei Fehlschlägen entdecken wir den schmalen Pfad zum Bodenschneidhaus. Dort bietet sich ideales Gelände für eine Übung. Mehrere LVS-Geräte werden als Sender eingegraben und wir suchen diese abwechselnd. Hier hilft nur häufiges Üben, um im Ernstfall mit den Eigenarten seines Gerät vertraut zu sein oder die Sonde so zu handhaben, dass sie sich im steileren Gelände nicht von dannen macht.
Am Ende steigen wir natürlich auch noch wie geplant bis zum Sattel der Rinnerspitz auf. Hier geht es darum, eine möglichst gute Spur für den Aufstieg zu wählen. Für die Abfahrt haben wir schönen Pulverschnee, auch wenn wir gut aufpassen müssen, um möglichst nicht an den Steinen unter der noch recht dünnen Schneedecke entlang zu schrammen. Auch wenn es momentan nicht gerade zünftige Schneemengen gibt, so haben wir damit zumindest ein geringes Lawinenrisiko, und Rudi findet dank langjähriger Gebietskenntnis doch immer noch zuverlässig die Stellen, an denen es sich gut abfahren lässt. Erschöpft kommen wir am späten Nachmittag wieder an der Hütte an. Die Stimmung ist gut – nicht zuletzt dank des exzellenten Speiseplans, den wir unter der Regie von Uli und Michi genießen durften.
Dank unserer Ausbilder Rudi, Dani und Flo haben wir viel gelernt und bekanntes gefestigt. Wobei einige Erlebnisse zuvor so nicht geplant waren. Zum Beispiel wurde uns eindrucksvoll demonstriert, wie wichtig es ist, unsere Geräte vor der Tour zu testen. "Da muss doch noch eins sein", meinte Rudi, als wir bei einer unserer Übungen der Meinung waren, alle unsere "Verschütteten" gefunden zu haben. Aber eines der älteren LVS-Geräte hatte offensichtlich seinen Geist aufgegeben und war nicht mehr zu orten. Alles Suchen half nichts. Und als uns an einem anderen Tag ähnliches noch einmal passiert, graben wir kurzerhand den halben Hang um, bis wir es wieder gefunden haben. Auch so kann man lernen, und so tief wie die Spuren im Schnee werden sich diese Erfahrungen hoffentlich auch in unser Gedächtnis einprägen.






