Vom 2. Januar bis zum 5. Januar fand der alljährliche Grundkurs Winter für Anwärter der Bergwacht München im Spitzingseegebiet statt. Ein Anwärter schildert die Erlebnisse.
Spricht man im Zusammenhang mit alpinem Wintersport vom Akija, meint man weder den Arbeitskreis für Internationale Jugendarbeit noch die Tanz- und Perkussionsschule in Berlin, die diesen Namen trägt, sondern einen wannenförmigen Rettungsschlitten, der ähnlich der Gebirgstrage im Sommer, zum Abtransport verunfallter Personen aus weglosem Gelände von der Bergwacht zum Einsatz gebracht wird. Um den Namen dieses Rettungsgerät herrscht eine babylonische Sprachverwirrung. Man findet in der Literatur verschiedenste Schreibweisen wie Akia, Ackija, Akija oder Akja um nur einige aufzuführen. Letztendlich bezeichnen sie aber alle einen bootsförmigen Schlitten der Samen, einem indigenen Volk Skandinaviens, der, in der im Bergrettungsdienst eingesetzten Variante, aus einer Metallwanne aus Aluminium und je zwei Paar Holmen oder Lanten besteht.
Um den Umgang mit diesem Gerät den Nachwuchsbergrettern näher zu bringen, veranstaltete die Bergwacht München Anfang des Jahres einen viertägigen Grundausbildungslehrgang Winter, an dem acht gespannte Anwärter teilnahmen. Dieser fand im vielbesuchten Schigebiet Spitzingsee statt, als Stützpunkt diente die Bergwachtdiensthütte Stümpfling, direkt neben der Bergstation der Stümpflingsesselbahn.
Weil man nicht kann was man nicht übt, erfuhren wir zuerst eine theoretische Einweisung in den Aufbau des Schlittens und mit dessen Umgang. Der Inhalt des Schlittens besteht in erster Linie aus dem Bergesack und der Vakuummatratze, welche aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit vakuumverpackten Nüssen auch den Spitznamen Erdnussbett trägt. Der entsprechende Umgang mit dieser Matratze war ja schon Teil des Sommerrettungs- und Sanitätslehrgangs und stellt in diesem Rahmen nur eine Wiederholung dar.
Erste Versuche im Gelände , vorerst noch ohne menschliche Fracht, führten die Effizienz der Bremskette vor Augen, die zusätzlich zur Bremsmöglichkeit mittels Schi, in steilem Gelände und bei eventuell vereisten Pistenverhältnissen erlaubt, die Geschwindigkeit des Gespanns zu regulieren. Wechselweise hatten dann alle die Gelegenheit als Mimen ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich ein Patient bei der Talfahrt fühlt, wenn der Gesichtskreis stark auf einen kleinen Teil des Himmels eingeschränkt ist oder ihm, eventuell aus Unachtsamkeit seiner „Retter“, Schneegischt ins Gesicht spritzt. Es ist allerdings auch überraschend, wie im Verhältnis komfortabel so ein Transport, obwohl das wahrscheinlich jemand mit Schmerzen doch etwas anders wahrnimmt.

Die Handhabung eines Akijas beschränkt sich aber nicht auf die Abfahrt, sondern erstreckt sich über die Sicherung des Geräts gegen Abrutschen im steilen Gelände, kraftzehrenden Bergung bergauf, bis hin zur möglichst schonenden Verladung des Patienten von der Piste in das Gerät. Dazu teilten wir uns in zwei kleinere Gruppen auf und übten mit typischen Verletzungsbildern verschiedenen Grades die Bergung von Personen auf der Piste. Das Spektrum der angenommenen Verletzungen umfasste Verrenkungen und Knochenbrüche einzelner Extremitäten bis hin zu Polytraumen und mehreren Unfallbeteiligten.
Am Ende ausgefüllter Tage stand abends Theorie auf dem Programm. Ein eindringlicher Film zur Lawinenkunde führte vor Augen, dass der weiße Tod vor allem im freien Gelände aber auch im Pistenbereich lauert und welchen Stellenwert eine schnelle Kameradenbergung für die Überlebenswahrscheinlichkeit der verunglückten Person darstellt. Es wurden aber auch Lehrinhalte der Sanitätsausbildung wieder aufgegriffen und Vakuumschiene bei Unterschenkelverletzungen, Versorgung von Schlüsselbeinbrüchen und Schulterluxationen wiederholt.
Nachdem Retter im Gebirge sich auch im Gelände adäquat bewegen können müssen und die Bergwacht Wert auf entsprechendes schifahrerisches Können legt, gab es abschließend einen Schikurs mit einer geprüften Schilehrerin. Individuelles Feedback und Tipps zur Verbesserung des jeweils eigenen Fertigkeit standen im Mittelpunkt. Es ist doch immer wieder überraschend, welche Entwicklung die alpine Schitechnik immer noch nimmt und welchen Einfluss dabei die modernen Carvingschi haben. Hier das entsprechende Gefühl für dieses Material und dessen Möglichkeiten zu vermitteln, aber auch dessen Grenzen aufzuzeigen, unterstützten spezielle didaktische Übungen, die für alle neue Erfahrungen mit sich brachten.
Diese Erfahrungen während der vier Tage in den bayrischen Voralpen beschränkten sich natürlich nicht nur auf das schifahrerische Moment, sondern erstreckten sich auch alle anderen Lehrinhalte im Sanitätsbereich. Deren erfolgreiche Vermittlung war stark von der Motivation aller an der Ausbildung beteiligten Kameraden geprägt, für deren Einsatz hier an dieser Stelle anwärterseits ein herzliches Dankeschön nicht fehlen soll.






