Am 30. September 2009 waren rund 40 Einsatzkräfte der Bergwacht München zusammen mit 40 Mitgliedern der BRK Bereitschaft Perlach auf der Wiesn, dem weltweit größten Volksfest, ehrenamtlich im Dienst. Sie wurden dabei von den Bergwachten Wolfratshausen und Lenggries unterstützt.
Pünktlich um 9 Uhr vormittags stellte Fried Saacke, Bereitschaftsleiter der Bergwacht München und als Wachhabender verantwortlich für den Personaleinsatz auf der Oktoberfest-Sanitätsstation, im gemeinsamen Briefing die Abläufe vor. „Im Ernstfall muss jeder Bescheid wissen, um richtig reagieren zu können.“
Sobald ein Notruf eingeht, entscheidet die Einsatzleitung über die erforderlichen Rettungsmittel. Das kann ein Rettungswagen sein, ein Notarzt oder eine Trage. In den meisten Fällen rückt die Trage-Besatzung aus, bestehend aus vier Sanitätern und einem Trageführer.
Beim Eintreffen in der Sanitätsstation sichtet ein Arzt den Verletzten und legt den weiteren Behandlungsverlauf fest. Sofern kein unmittelbarer Krankenhausaufenthalt erforderlich ist, erfolgt die Behandlung vor Ort. Leichtere Blessuren wie zum Beispiel Schnittwunden werden gleich im OP-Raum genäht und versorgt. Dieser ist wie eine Notaufnahme im Krankenhaus mit allen notwendigen Geräten ausgestattet.
Der meiste Betrieb ist normalerweise auf der Überwachungsstation, wo hauptsächlich die eingelieferten Alkoholfälle ihren Rausch ausschlafen. Sanitäter beobachten den Kreislauf bewusstloser Patienten mit dem EKG-Gerät, sie können hier auch Infusionen verabreichen. Falls der Verdacht besteht, dass der Patient nicht vor nächtlichen Schließung der Sanitätsstation wieder auf die Beine kommt, wird es gleich in ein Krankenhaus verlegt.
Während der Vormittagsstunden bietet die Sanitätsstation auch ganz normale Sprechstunden für das Wiesn-Personal an, da für die Bedienungen, Zapfer oder Köche während des Oktoberfests kaum Zeit bleibt, eine Arztpraxis aufzusuchen.
Insgesamt gesehen ist die Sanitätsstation Anlaufstation für alle Arten von medizinischen Problemen – angefangen vom Wunsch nach einem Pflaster oder einer Kopfweh-Tablette über die zahlreiche „Bierleichen“ bis hin zum lebensbedrohlichen Herzinfarkt. Darüber hinaus sind auf dem Festgelände noch zwei kleinere Sanitätscontainer mit je einer Tragen-Besatzungen in Betrieb, um bei Notfällen schneller vor Ort sein zu können.
Der Dienst auf dem Oktoberfest ist für alle Beteiligten ehrenamtlich, alle Einnahmen fließen direkt in die Ausstattung der Sanitätsstation.
Gegen 1:20 Uhr in der Nacht kann Fried Saacke endlich das Licht löschen und die Türe abschließen. Die Behandlungsräume sind leer, alle Patienten entweder entlassen oder ins Krankenhaus verlegt. 351 Einsätze waren es an diesem Tag, 74 davon außerhalb der Station. Insgesamt waren 106 Einsatzkräfte und 8 Ärzte an diesem 30. September 2009 im Einsatz. Eigentlich ein ganz normaler Wiesn-Tag.






